10 Missverständnisse zum Thema Photovoltaik

Am 23. September wird aller Voraussicht nach im Parlament die Novelle des Ökostromgesetzes beschlossen. Das übergeordnete Ziel des Gesetzes sollte es sein, angesichts der sich abzeichnenden Verknappung fossiler Rohstoffe und der zu befürchtenden Klimafolgen der fossilen Energienutzung, die Versorgung mit sauberem Strom für die nächsten Jahrzehnte zu sichern. Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Königsdisziplin der Erneuerbaren, die Nutzung von Strom aus Sonnenlicht – die Photovoltaik. Im Jahre 1978 ging die erste Sonnenstromanlage ans Netz. Im Jahr 2008 wurde weltweit bereits die Leistung eines Atomkraftwerkes an Photovoltaikstrom „geerntet“. Im Zusammenhang mit dem industriellen Ausbau der PV spricht man bereits von einem kleinen „Weltwirtschaftswunder“. In der Diskussion um den Umstieg auf Sonnenstrom schwingen zahlreiche Missverständnisse mit. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit möchte ich auf die zehn am weitesten verbreiteten Missverständnisse im Zusammenhang mit Photovoltaik (PV) hinweisen.

Missverständnis Nr. 1) Photovoltaik (PV) ist noch zu teuer.

Antwort: Der Erzeugerpreis von einer Kilowattstunde Sonnenstrom liegt derzeit zwar noch zwischen 30 bis 45 Cent. PV-Strom ist aber Spitzenstrom, der zu Mittag anfällt. Zu diesem Zeitpunkt kann „Normalstrom“ an der Börse bis zu 2 Euro und darüber kosten und PV-Strom ist extrem billig. PV-Strom war in den letzten Jahren dramatisch degressiv, wurde also billiger.
Würde man die aktuellen Erzeugungskosten als Argument gegen die PV verwenden, so ist zu bedenken, dass andere Halbleitertechniken wie Computer, Handys, Digitalkameras, Flatscreens usw. keine Entwicklung zu erschwinglichen Alltagsgegenständen hätten nehmen können.

Missverständnis Nr. 2) Photovoltaik braucht noch 10 Jahre bis zur so genannten Marktfähigkeit.

Antwort: PV-Strom konkurriert nicht zwangsweise mit dem Strompreis, der an der Börse für die Stromversorger gehandelt wird, sondern mit dem Endverbraucherpreis, der derzeit zwischen 16 und 20 Cent liegt. PV-Strom kann direkt vom Endverbraucher genutzt werden. Je nach Entwicklung der Degression der PV-Kosten und des Anstiegs des Endverbraucherpreises kann in Mitteleuropa bereits um das Jahr 2015 (plus-minus 1 Jahr) die so genannte „Preisparität“ erwartet werden, also die Preisgleichheit zwischen PV-Strom und von den Energieversorgern gelieferten Strom.

Missverständnis Nr. 3) Die Einführung der Photovoltaik belaste den Steuerzahler ungebührlich.

Antwort: Die Folgekosten für die Implementierung der PV in das Stromsystem über die Tarifförderung können auf den Endverbraucher umgelegt werden. Derzeit sind im Gesetz 2,1 Millionen Euro pro Jahr dafür vorgesehen. Dies ergibt pro Haushalt und Monat ungefähr 4 Cent, die durch eine marginale Veränderung des Verbraucherverhaltens (Stromsparen) vielfach kompensiert werden kann. Außerdem ist zu bedenken, dass bei einem Anstieg des Ölpreises (die Internationale Energieagentur in Paris spricht von über 200 Dollar im Jahre 2013) „Normalstrom“ dramatisch ansteigen wird, während PV-Strom preisstabil bleiben wird.

Missverständnis Nr. 4) Photovoltaik ist nur in südlichen Ländern effizient.

Antwort: Bereits heuer produziert das deutsche Bundesland Bayern deutlich mehr als 2 Prozent seines Stroms aus Photovoltaik (in Österreich sind es magere 0,4 Promille) und Bayern liegt mit Sicherheit nicht in der Sahara.

Missverständnis Nr. 5) Photovoltaik kann nur einen geringen Bruchteil der Stromversorgung garantieren.

Antwort: Photovoltaik ist die einzige Stromversorgungstechnik, die kein Primärenergieproblem hat. Sonnenlicht ist 10 000-fach höher verfügbar, als der gesamte Bedarf der Menschheit ausmacht. Die Lieferung zum Nulltarif kann für die nächsten fünf Milliarden Jahre als garantiert angesehen werden. In der EU geht man davon aus, dass unter optimalen Bedingungen bereits bis zum Jahre 2020 12 Prozent des gesamten Strombedarfs gedeckt werden kann. Die PVA geht auf Grund des Spätstarts davon aus, dass Österreich in diesem Zeitraum auf einen Anteil von 8 Prozent kommen kann.

Missverständnis Nr. 6) Zur Nutzung der Photovoltaik müssen weite Landschaftsteile zugepflastert werden.

Antwort: Österreich verfügt über 140 Quadratkilometer an geeigneten Dachflächen mit denen bereits ein Drittel des derzeitigen Strombedarfs sauber abgedeckt werden kann.

Missverständnis Nr. 7) Zur Herstellung von PV-Modulen wird mehr Energie eingesetzt als die Zellen liefern.

Antwort: Während bei anderen Energietechniken diese Frage gar nicht gestellt wird, kann die PV nachweisen, dass der Energieeinsatz nach ein bis 3 Jahren „hereingespielt“ ist.

Missverständnis Nr. 8) Die Technik ist noch nicht ausgereift.

Antwort: Zwar sind Verbesserungen und Neuentwicklungen durchaus zu erwarten, immerhin arbeiten tausende Entwicklungstechniker weltweit daran. Aber die Hersteller geben zwischen 20 und 25 Jahre Garantie auf Module.

Missverständnis Nr. 9) Energieeffizienz ist wirtschaftlich sinnvoller als PV-Stromerzeugung.

Antwort: Effiziente Energienutzung ist sicherlich ein Gebot der Stunde. Aber spätestens der Versuch, ein Elektrogerät an die Wärmedämmung zu koppeln, wird Klarheit bringen. Ein Nebeneinander ist sinnvoll.

Missverständnis Nr. 10) Photovoltaik funktioniert nur im Sommer.

Antwort: Photovoltaik funktioniert bei niedrigen Temperaturen besser und verliert mit Erwärmung. Sonnige Wintertage bringen Rekordergebnisse.